E-Invoicing Update Q3 2026: Frankreich ist live – und Europa zieht nach
Mit dem Go-Live in Frankreich ist die größte E-Invoicing-Reform Europas Realität – Norwegen verabschiedet sein Mandat, Großbritannien bestätigt Peppol, die Niederlande legen den Fahrplan bis 2030 vor. Unser Update fasst die wichtigsten Entwicklungen des dritten Quartals 2026 zusammen: Frankreich, Norwegen, Belgien, Niederlande, UK, VAE, Slowakei, Asien und der Ausblick auf ViDA 2030. Inklusive konkreter Handlungsempfehlungen für Compliance-, IT- und Finance-Teams. Die Aufzeichnung des Webinars steht on demand zur Verfügung.

Kaum ein Quartal hat die E-Invoicing-Landschaft so bewegt wie die vergangenen Monate: Frankreich ist gestartet, Norwegen hat nachgezogen, und mit den Niederlanden rückt das nächste große europäische Mandat in greifbare Nähe. Wer internationale Rechnungsprozesse verantwortet, braucht jetzt vor allem eines – einen verlässlichen Überblick. Genau den liefert unser E-Invoicing Update Q3 2026: In rund 30 Minuten fassen wir die aktuellsten regulatorischen Entwicklungen zusammen und übersetzen sie in konkrete Handlungsempfehlungen.
Die Aufzeichnung des Webinars steht hier on demand zur Verfügung.
Frankreich: Die Reform ist Realität
Am 1. September 2026 ist das französische E-Invoicing-Mandat offiziell live gegangen. Seitdem gilt für alle Unternehmen die Empfangspflicht; Groß- und mittelgroße Unternehmen (GE/ETI) müssen zudem strukturierte Rechnungen versenden und E-Reporting leisten. KMU und Kleinstunternehmen folgen am 1. September 2027.
Die ersten Zahlen beeindrucken: Über 4 Millionen Unternehmen haben bereits eine Empfangsadresse hinterlegt, zwei Drittel der Zielgruppe haben ihre Plattform (PA) gewählt. In der ersten Septemberwoche wurden rund 2,5 Millionen Rechnungen ausgetauscht – 700.000 davon am dritten Tag. Gleichzeitig zeigen die ersten Ablehnungen, wo die Herausforderungen liegen: Formatfehler, Duplikate und fehlende Pflichtfelder. Spürbar ist auch ein Qualitätsunterschied zwischen den Plattformen, die ihre Interoperabilitätstests absolviert haben, und jenen, die nur bedingt registriert sind – das PA-Register ist entsprechend zweigeteilt.
Drei Punkte sollten Unternehmen jetzt auf dem Schirm haben:
- Keine Sanktionen im Jahr 2026 – aber Best Effort dokumentieren: Die französische Generaldirektion für öffentliche Finanzen (DGFiP) hat ausdrücklich bestätigt, dass es 2026 keine Strafen gibt. Die E-Rechnungs-Pflicht bleibt dennoch bestehen; wer investiert, sollte das nachweisbar dokumentieren.
- E-Reporting wird erleichtert, bleibt aber Pflicht: Die zunächst geplante zeilenweise Übermittlung von Reporting-Daten entfällt. B2C- und grenzüberschreitende Transaktions- und Zahlungsdaten gehen jedoch weiterhin über die Plattformen an die DGFiP.
- Cybersicherheit rückt in den Fokus: Nach einem Hacker-Angriff auf die DGFiP Mitte August, bei dem rund 700.000 Datensätze erbeutet wurden, werden Plattformen verstärkt auf ihre IT-Sicherheit geprüft – bis hin zu möglichen Suspendierungen.
Aus den Projekten zeigt sich außerdem: Die Datenqualität entscheidet über den Erfolg. Unternehmen, deren Reporting-Daten nicht sauber strukturiert vorliegen, können aus einfachen Rechnungsdateien für B2C- und Cross-Border-Rechnungen automatisiert Reporting erzeugen lassen. Und Lifecycle-Messages sollten von Anfang an vollständig eingeplant werden – der Praxisbedarf geht über die Pflicht-Flows hinaus.
Norwegen und Belgien: Zwei Nachbarn, zwei Lernkurven
Norwegen, es wird ernst: Das Storting (Parlament) hat im Juni 2026 dem Mandat zugestimmt (Prop. 44 L). Die Versandpflicht gilt ab 1. Januar 2027 – für alle buchführungspflichtigen Unternehmen, die Rechnungen an Unternehmen versenden, die sich im ELMA-Register eingetragen haben, einschließlich Ausländischer. Ab 2030 folgen Empfangspflicht und digitales Accounting. Technisch setzt Norwegen auf EHF (Peppol BIS), Transport über Peppol und Adressierung über das ELMA-Register. Zusätzlich wird EHF für neue VAT-Regeln aktualisiert – Unternehmen mit eigener Anbindung sollten ihre Mappings prüfen.
Belgien ist seit Januar 2026 live – und die Toleranzphase endete am 31. März. Wer nicht liefert, riskiert Strafen von bis zu 5.000 Euro. Peppol etabliert sich als Standardkanal, doch die Praxis zeigt: Die rechtlichen Anforderungen sind nur die halbe Miete. Viele Unternehmen wollen Zusatzinformationen wie Stundenzettel, Abhol- oder Lieferdaten weiterhin als PDF – oft parallel per E-Mail zur strukturierten Rechnung. Wer das abbildet, erleichtert den Geschäftspartnern den Umstieg spürbar.
Niederlande: Der Fahrplan bis 2030 steht
Am 11. September hat das niederländische Kabinett seinen „Contourenbrief“ zur E-Invoicing-Umsetzung geschickt – bewusst über das ViDA-Minimum hinaus: Ab 1. Juli 2030 gilt die E-Invoicing-Pflicht auch für inländische B2B-Transaktionen, zum gleichen Zeitpunkt startet das Digital Reporting für innergemeinschaftliche Umsätze. Zulässig ist ausschließlich EN 16931 – ohne nationale Varianten. Die Netzwerkfrage ist noch offen; eine EY-Studie empfiehlt Peppol, das Kabinett entscheidet voraussichtlich im Oktober 2026.
Großbritannien: 2029 ist jetzt verbindlich
Großbritannien hat sein Mandat für April 2029 (B2B und B2G) konkretisiert – und am 23. Juni 2026 Peppol als Interoperabilitätsnetzwerk bestätigt. Es gibt kein zentrales Regierungsportal; gestartet wird dezentral im Vier-Corner-Modell. Eine UK-spezifische PINT-Spezifikation ist in Arbeit. Die detaillierte Roadmap wird mit dem Budget im November 2026 erwartet – möglicherweise mit Staffelung nach Unternehmensgröße. Wer heute Peppol- und EN-16931-Fähigkeiten aus anderen Märkten mitbringt, ist trotz Brexit technisch startklar.
VAE und Slowakei: Zwei CTC-Modelle auf Peppol-Basis
In den Vereinigten Arabischen Emiraten läuft seit 1. Juli 2026 eine freiwillige Pilotphase. Die Pflicht gilt ab 1. Januar 2027 für Unternehmen ab 50 Millionen AED Umsatz. Umgesetzt wird ein Fünf-Corner-Modell (DCTCE) auf Peppol-Basis mit dem Format PINT AE – und die Anbindung ist nur über akkreditierte Service Provider möglich. Unternehmen sollten die Beauftragung ihres Providers daher frühzeitig angehen.
Die Slowakei konkretisiert ihr Mandat ebenfalls: Pflicht für inländische B2B- und B2G-Transaktionen ab 1. Januar 2027 (Gesetz 385/2025), mit einer vorgeschlagenen sanktionsfreien Übergangsphase bis 31. März 2027. Technisch setzt auch die Slowakei auf ein Fünf-Corner-Peppol-Modell mit Peppol BIS 3.0 und slowakischer CIUS; das Tax Data Document muss binnen 15 Minuten an die Finanzverwaltung übermittelt werden. Praxiswarnung aus dem Webinar: Die Zertifizierung der Peppol Access Points stockt – Unternehmen, die sich für eigene Access Points entschieden hatten, kehren zunehmend zu zertifizierten Providern zurück.
Asien im Takt: Singapur und Malaysia
Auch in Asien geht es weiter: Singapurs InvoiceNow wird gestaffelt zum Standard – bis April 2031 sind alle GST-registrierten Unternehmen erfasst. Malaysias MyInvois erreicht mit Phase 4 (seit Januar 2026) die nächste Rollout-Stufe; die Relaxation Period läuft bis Ende 2027.
Der rote Faden: ViDA 2030 und die Formate
Die nationale Detailarbeit folgt einer klaren Logik: Mit dem Arbeitsprogramm 2026 der EU-Kommission (20. Mai 2026) ist die ViDA-Roadmap konkret geworden. Ab 1. Juli 2030 werden E-Invoicing und Digital Reporting für grenzüberschreitende B2B-Umsätze verpflichtend, auch wenn noch nicht feststeht, wie das im Detail geschehen soll; 2028 folgen die Plattformregeln und Single VAT Registration, 2035 die Angleichung nationaler Systeme. EN 16931-1:2026 bildet die gemeinsame Basis.
Die Botschaft für Unternehmen: Wer heute Peppol, EN 16931 und E-Reporting national umsetzt, hat die Vorarbeit für ViDA 2030 bereits geleistet. Dass sich die Formate darauf ausrichten, zeigt die aktuelle ZUGFeRD-Version 2.5.2 bzw. Factur-X 1.09.2: Das erweiterte Profil deckt inzwischen genau die Szenarien ab, die Frankreich seit September 2026 verlangt.
Fazit: Vom Pflichtthema zum Effizienzhebel
Ob Frankreichs Go-Live, Norwegens Gesetzgebung, der niederländische Fahrplan, das britische Peppol-Votum oder die CTC-Modelle in VAE und Slowakei – die Richtung ist eindeutig: Strukturierte elektronische Rechnungsprozesse werden weltweit der Standard, nicht nur in der EU. Unternehmen, die jetzt auf eine skalierbare, standardisierte Plattform setzen, können neue Mandate deutlich einfacher aufnehmen – und verwandeln Compliance in messbare Prozesseffizienz.
Mit OpenText Business Network lassen sich E-Invoicing-Prozesse international standardisieren und zukunftssicher aufstellen – für aktuelle Mandate und für die, die noch kommen. Unser nächstes Update gibt es am 26. November 2026.
Sie möchten alle Details, Land für Land, inklusive praktischer Handlungsempfehlungen? Dann sehen Sie sich jetzt die Aufzeichnung unseres Webinars „E-Invoicing Update Q3 2026“ an – on demand und in rund 30 Minuten. Egal, ob Sie im Compliance-, IT- oder Finance-Team tätig sind: Sie erhalten die Informationen, die Sie brauchen, um zukunftssicher zu agieren.




