In diesem Artikel wollen wir Ihnen die Informationen aus unserem E-Invoicing Update Q2 2026 zusammenfassen.
Die Landschaft des elektronischen Rechnungswesens befindet sich in einem ständigen Wandel. Neue gesetzliche Anforderungen, technische Updates und veränderte Rollen von Plattformen sorgen dafür, dass Unternehmen ihre Prozesse kontinuierlich anpassen müssen. Ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen in verschiedenen Regionen zeigt die Komplexität, aber auch die Richtung der globalen Digitalisierung auf.
Frankreich: Fokus auf neue Plattform-Rollen
In Frankreich gilt der 1. September als geplanter Startpunkt für neue e-Invoicing-Pflichten und wird derzeit als sehr wahrscheinlich angesehen. Ein wesentlicher Aspekt ist die Rolle von Chorus Pro: Die Plattform bleibt bestehen und kann künftig auch als akkreditierter Service Provider (PA) fungieren. Dies bedeutet, dass Transaktionen auch direkt über Chorus Pro abgewickelt werden können. Im Hintergrund wird der Datenaustausch zwischen verschiedenen zertifizierten Plattformen verstärkt über das Peppol-Netzwerk forciert, auch wenn die Teilnahme an diesem Netzwerk derzeit noch nicht für alle Anbieter verpflichtend ist.
Dänemark: Neue Standards für die Buchhaltung
In Dänemark gibt es Neuerungen im Buchführungsrecht, die direkt die Softwareanforderungen betreffen. Sowohl eingehende als auch ausgehende Rechnungen müssen von der Buchhaltungssoftware elektronisch verarbeitet werden können. Während lokale Formate zunächst bestehen bleiben, wird ein Übergang zu einem neuen Standard (basierend auf Peppol 4.0) vorbereitet, der die lokale XML-Version 2.1 ablösen soll.
Brasilien: Lokale Dynamik und vereinfachte Belege
Der brasilianische Markt ist durch eine sehr hohe Dezentralisierung geprägt, wobei die Regelungen oft auf Gemeinde- oder Bezirksebene variieren. Ein wichtiger Trend ist die Nutzung des NFCe (einfacher Fiskalbeleg), der nun verstärkt auch für B2B-Transaktionen genutzt werden kann, was die Komplexität im Vergleich zur NFe-Rechnung reduziert. Zudem sind für die nahe Zukunft weitere Anpassungen bei den digitalen Visualisierungen von Rechnungen sowie Änderungen im Bereich der Sales Tax zu erwarten.
Italien: Verschärfte Validierung im SDI-System
In Italien wurden technische Updates am SDI-System vorgenommen. Besonders im Fokus stehen strengere Validierungsregeln. Unternehmen müssen damit rechnen, dass Rechnungen, die bereits durch das System validiert wurden, durch strengere interne Compliance-Prüfungen dennoch als fehlerhaft erkannt werden können. Diese Verschärfung der Regeln betrifft insbesondere neue Codierungen für steuerbefreite Einnahmen.
Norwegen: Beschleunigte Zeitpläne
Norwegen hat den Zeitplan für die E-Rechnungspflicht deutlich vorgezogen. Ab dem 1. Januar 2027 müssen alle Rechnungssteller im inländischen B2B-Umfeld in der Lage sein, elektronische Rechnungen auszustellen. Wenn ein Empfänger technisch noch nicht in der Lage ist, eine E‑Rechnung (typischerweise über Peppol) zu empfangen, soll weiterhin auch ein PDF als Rechnung versendet werden können; ob parallel dazu zusätzlich eine E‑Rechnung (z. B. in derselben E‑Mail) verpflichtend ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Ab Januar 2030 sollen dann der elektronische Empfang sowie die Weiterverarbeitung verpflichtend werden – eine rein manuelle Übertragung soll damit perspektivisch entfallen. Unternehmen sind daher gut beraten, zeitnah mit Empfang und Verarbeitung zu starten, da die Fähigkeit zum Versand ab 2027 breiter vorausgesetzt wird und Automatisierung dadurch erleichtert wird.
Spanien: Ein neues Mandat mit Fokus auf E-Reporting
Für Spanien zeichnet sich ein bedeutendes neues Mandat ab. Der Starttermin wurde auf Oktober 2027 konkretisiert. Das Mandat beginnt zunächst für große Unternehmen mit einem Umsatz von über 8 Millionen Euro und wird bis 2029 auf alle Unternehmen ausgeweitet. Ein zentrales Element wird das E-Reporting sein: Private Plattformen, die Rechnungen austauschen, müssen eine Kopie der Rechnungsdaten an ein zentrales öffentliches Portal übermitteln. Die Validierung dieser Daten durch das Portal kann bis zu vier Tage in Anspruch nehmen. Als Rechnungsstruktur wird primär auf ein einheitliches Format basierend auf UBL-Syntax gesetzt.
Weltweiter Überblick: Kurze Updates aus weiteren Regionen
Auch in anderen Teilen der Welt bewegen sich die Zeitleisten für die digitale Transformation:
- VAE (Vereinte Arabische Emirate): Pilotphase für große Unternehmen startet im Juli; landesweite Einführung für alle geplant für Januar 2025.
- Oman: Die erste Phase der Einführung für große Unternehmen startet 2026.
- Marokko: Eine Reform zur Digitalisierung der Steuersysteme ist für das kommende Jahr angekündigt.
- Saudi-Arabien: Das „Fatura-Zakta“-System rollt kontinuierlich in weiteren Phasen auch für kleinere Unternehmen aus.
- Malaysia: Die Verpflichtung wurde im Januar auf kleinere Unternehmen ausgeweitet.
- Singapur: Seit April ist der Austausch über das Peppol Invoice Portal für alle neuen GST-Registrierungen verpflichtend.
- Philippinen: Hier wird ein neues Mandat für Dezember 2026 erwartet.
Fazit
Die globale Entwicklung zeigt: E-Invoicing ist kein einmaliges Projekt, sondern ein dynamischer Prozess. Während die langfristige Vision eine Harmonisierung (etwa durch die Peppol-Initiative oder die EN 16931) ist, bleibt die aktuelle Realität durch sehr unterschiedliche, nationale Sonderregeln geprägt. Unternehmen benötigen flexible Lösungen, um auf die ständigen Änderungen der lokalen Mandate reagieren zu können.