Wie KI-gestützte Legal-Tech-Lösungen die Fertigungsindustrie verändern

Erkenntnisse aus Boschs Einsatz von KI in der Rechtsabteilung

Wenn Sie eine Rechtsabteilung in einem Fertigungsunternehmen leiten, kennen Sie die Zahlen nur zu gut. Die durchschnittlichen Kosten für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften belaufen sich in der Fertigungsindustrie auf rund 29.100 US-Dollar pro Mitarbeiter und Jahr – mehr als doppelt so viel wie in den meisten anderen Branchen. Für kleinere Hersteller steigt dieser Betrag sogar auf 50.100 US-Dollar pro Mitarbeiter. Hinzu kommt die wachsende Zahl von Produkthaftungsklagen: Im Jahr 2022 wurden 5.826 Produkthaftungsfälle eingereicht. Die damit verbundenen rechtlichen Anforderungen binden erhebliche Ressourcen. Ki in der Rechtsabteilung kann hier die Antwort sein.

Fertigungsunternehmen nutzen Künstliche Intelligenz längst nicht mehr nur zur Optimierung von Produktionslinien und Qualitätskontrollen. Auch Rechtsabteilungen setzen zunehmend KI-Technologien ein, um Risikomanagement, Compliance, interne Untersuchungen und Prozessführung effizienter zu gestalten und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Von Produktionslinien zu juristischen Verfahren: Die rechtlichen Herausforderungen der Fertigungsindustrie

Die rechtlichen Anforderungen an Hersteller sind komplex. Juristische Teams müssen gleichzeitig:

  • Produkthaftungsfälle entlang globaler Lieferketten bewältigen,
  • unterschiedliche gesetzliche Vorgaben wie DSGVO, CCPA und branchenspezifische Vorschriften erfüllen,
  • geistiges Eigentum in einer zunehmend digitalisierten Welt schützen,
  • sowie auf Cybersecurity-Vorfälle reagieren, die sofortige rechtliche Maßnahmen erfordern.

Hinzu kommt die stetig wachsende Menge an Informationen:  E-Mails, Verträge, Präsentationen, Textdokumente, Qualitätsberichte und Produktionsunterlagen enthalten oft entscheidende Informationen für rechtliche Verfahren, sind aber manuell kaum noch effizient auszuwerten. Werden diese Daten zudem in mehreren Sprachen erstellt, steigt der Aufwand zusätzlich.

Gleichzeitig wird von Rechtsabteilungen erwartet, mit begrenzten finanziellen Mitteln immer mehr zu leisten. Die Anforderungen steigen, während die Kosten für externe Kanzleien weiter zunehmen. KI in der Rechtsabteilung kann hier weiterhelfen.

Wie kann KI juristische Prozesse in der Fertigung verbessern?

KI-basierte Legal-Tech-Lösungen können Rechtsabteilungen dabei unterstützen, große Datenmengen schneller auszuwerten, relevante Informationen zu identifizieren und rechtliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Entsprechende Lösungen werden bereits heute in der Praxis eingesetzt.

Fertigungsunternehmen nutzen KI unter anderem zur Optimierung von Lieferketten, im Qualitätsmanagement und bei der vorausschauenden Wartung. Auch Rechtsabteilungen können von diesen Technologien profitieren und ihren Beitrag zum Risikomanagement und zum Schutz des Unternehmens stärken.

Schneller zu den Fakten: Wie Bosch die rechtliche Entscheidungsfindung verbesserte

Als das Rechtsteam von Bosch erkannte, dass manuelle Dokumentenprüfungen die Entwicklung von Fallstrategien erheblich verzögerten, suchte das Unternehmen nach Möglichkeiten, seine juristischen Prozesse effizienter zu gestalten. Ziel war es, rechtliche Sachverhalte schneller zu bewerten und frühzeitig auf mögliche Risiken reagieren zu können.

Gemeinsam mit OpenText und dessen GenAI-Experten untersuchte Bosch, wie KI Untersuchungen beschleunigen, Kosten senken und datenbasierte Erkenntnisse liefern kann.

Dabei baute das Unternehmen auf die bestehende Nutzung von OpenText™ eDiscovery auf. Bereits zuvor half die Lösung dem Bosch-Team dabei, Millionen von Dokumenten und Tausende Terabyte an Daten zu verarbeiten. Bei manueller Bearbeitung hätte dies einige Monate gedauert.

Für einen global tätigen Hersteller ist auch die integrierte maschinelle Übersetzung von Bedeutung. Sie macht in vielen Fällen den Einsatz menschlicher Übersetzer überflüssig und ermöglicht es, mehrsprachige Dokumente aus unterschiedlichen Märkten schneller zu analysieren.

Ein konkretes Beispiel schilderte Franziska Fuchs, Vice President eDiscovery bei Bosch. Während der Lieferengpässe der vergangenen Jahre nutzte Bosch die Technologie, um Kommunikationsmuster zu analysieren und nachzuvollziehen, wie Herausforderungen innerhalb des Unternehmens kommuniziert und gesteuert wurden.

„Wir sehen einen erheblichen Return on Investment“, erklärte Fuchs im Zusammenhang mit dem Einsatz von GenAI. „Ich schätze die Kosteneinsparungen auf mehrere Millionen.“

Diese Einschätzung basiert auf den Erfahrungen aus dem praktischen Einsatz bei Bosch.

Durch den Einsatz der Technologie kann das Rechtsteam Fälle schneller bewerten, Strategien früher entwickeln und Entscheidungen auf Basis umfangreicher Datenanalysen treffen. Damit lassen sich Untersuchungen nicht nur effizienter durchführen, sondern auch rechtliche Risiken frühzeitiger erkennen.

Warum ist KI in der Rechstabteilung für Hersteller so wichtig?

Bei der Rechtfertigung von Investitionen gegenüber CFO und CEO zählt vor allem der geschäftliche Nutzen.

Moderne eDiscovery- und KI-Plattformen bieten Fertigungsunternehmen unter anderem folgende Vorteile:

Schnellere Fallbewertung und Strategieentwicklung

Aufgaben, die früher Wochen dauerten, können heute innerhalb von Tagen oder sogar Stunden erledigt werden. Das ermöglicht eine frühzeitigere Bewertung rechtlicher Sachverhalte.

Deutliche Kostensenkungen

Kostenintensive Dokumentenprüfungen durch externe Kanzleien lassen sich erheblich reduzieren. Arbeiten, die zuvor Hunderttausende Euro gekostet hätten, können intern zu einem Bruchteil der Kosten durchgeführt werden.

Effiziente Bearbeitung mehrsprachiger Dokumente

Für global tätige Hersteller ist dies besonders relevant: Übersetzungsprozesse und mehrsprachige Reviews werden automatisiert und beschleunigt.

Verbesserte Risikosteuerung

Frühzeitige Einblicke in relevante Fakten ermöglichen bessere Risikobewertungen, fundiertere Einschätzungen der Erfolgsaussichten und besser informierte Entscheidungen über mögliche Vergleiche.

Stärkere Ausrichtung am Unternehmenserfolg

Durch die schnelle Analyse relevanter Daten können Rechtsabteilungen die Unternehmensführung bei strategischen Entscheidungen unterstützen und ihre Rolle über die klassische Rechtsberatung hinaus erweitern.

Skalierbarkeit ohne zusätzliches Personal

Steigende Arbeitsvolumina können bewältigt werden, ohne die Teamgröße im gleichen Maße erhöhen zu müssen. Gerade bei begrenzten Budgets ist dies ein wichtiger Vorteil.

Die Erfahrungen von Bosch verdeutlichen die Bedeutung eines frühzeitigen Zugriffs auf relevante Informationen:

„Die Geschwindigkeit, mit der Fakten verfügbar werden, ist im juristischen Prozess entscheidend. Risikomanagement sollte proaktiv und nicht reaktiv sein.“

Auch die Entwicklung der Rechtskosten unterstreicht den Handlungsbedarf. Die Rechtsausgaben von Unternehmen sind zuletzt um fast 30 % gestiegen. Bei Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar lagen die durchschnittlichen Prozesskosten 2024 bei 4,3 Millionen US-Dollar, gegenüber 3,9 Millionen US-Dollar im Vorjahr.

Aus Boschs Ansatz lassen sich mehrere Erkenntnisse für den Einsatz von Legal Technology in Fertigungsunternehmen ableiten:

Kontrolle im eigenen Haus behalten

Externe Kanzleien werden weiterhin wichtig bleiben. Dennoch verschafft der Aufbau eigener eDiscovery-Kompetenzen mehr Kontrolle über Daten, Prozesse und strategische Entscheidungen und reduziert gleichzeitig die Kosten.

KI-Kompetenz aufbauen

Teams müssen nicht nur lernen, die Werkzeuge zu bedienen, sondern auch die Prinzipien KI-gestützter juristischer Arbeit verstehen. Schulungen und Change Management spielen dabei eine wichtige Rolle.

Geeignete Technologiepartner wählen

Bei rechtlich kritischen Fragestellungen sollten Technologiepartner sowohl die technischen als auch die juristischen Anforderungen verstehen. Neben der Software sind entsprechende Fachkenntnisse und Erfahrungen bei der Implementierung entscheidend.

Integration in bestehende Prozesse

Technologie sollte bestehende Arbeitsabläufe unterstützen, statt zusätzliche Hürden zu schaffen. Wichtig ist die Einbindung in vorhandene Rechts- und Geschäftsprozesse.

Change Management berücksichtigen

KI verändert Arbeitsweisen. Manche Mitarbeitende begrüßen diese Veränderungen sofort, andere benötigen mehr Unterstützung. Schulungen und eine frühzeitige Einbindung der Teams können die Einführung erleichtern.

Die Zukunft juristischer Arbeit in der Fertigungsindustrie

Die rechtlichen Anforderungen an Fertigungsunternehmen bleiben hoch. Gleichzeitig nehmen die zu verarbeitenden Datenmengen weiter zu, während Rechtsabteilungen ihre Aufgaben häufig mit begrenzten Ressourcen bewältigen müssen.

KI-gestützte Legal-Tech-Lösungen bieten Möglichkeiten, diese Herausforderungen besser zu bewältigen. Sie unterstützen bei der Analyse großer Dokumentenbestände, beschleunigen Untersuchungen und helfen dabei, rechtliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

Das Beispiel Bosch zeigt, wie sich eDiscovery und generative KI in der juristischen Praxis einsetzen lassen und welche wirtschaftlichen Vorteile damit verbunden sein können.

Für Fertigungsunternehmen stellt sich damit vor allem die Frage, wie sich diese Technologien sinnvoll in bestehende Rechtsprozesse integrieren lassen.

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Hilary Johnson

Hilary Johnson is an accomplished marketing leader with over 20 years of experience and a strong foundation in engineering, dedicating over half her career to roles deeply rooted in manufacturing. She has made a significant impact across diverse sectors-including aerospace and defense, medical devices, additive manufacturing, and renewable energy, by driving technology adoption and innovation that elevates manufacturers of all sizes. As a Sr. Industry Strategist for OpenText, Hilary is recognized for her ability to translate complex manufacturing concepts into clear, actionable messaging, empowering organizations to embrace digital transformation and achieve measurable growth.