Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Fax zu modernisieren

Das Fax wird nicht verschwinden. Die Infrastruktur, die es jahrzehntelang getragen hat, allerdings schon.

Jahrelang verließen sich Unternehmen auf kupferbasierte POTS-Leitungen (Plain Old Telephone Service), um Fax in kritischen Geschäftsprozessen zuverlässig zu nutzen. Doch dieses Modell läuft aus. Netzbetreiber nehmen Kupfernetze zunehmend außer Betrieb und ersetzen analoge Leitungen durch Glasfaser, Breitband und VoIP. Unternehmen müssen sich deshalb damit auseinandersetzen, wie sie Fax künftig in ihrer IT-Umgebung bereitstellen.

Die Federal Communications Commission (FCC) hat diesen Wandel zusätzlich beschleunigt. Was mit der „Technology Transitions Order“ von 2015 begann, hat sich inzwischen zu einer umfassenden Stilllegung der Kupfernetze entwickelt. Immer mehr Unternehmen werden von ihren Anbietern darüber informiert, dass bestehende Dienste migriert oder abgeschaltet werden.

Gleichzeitig ist Fax weiterhin fest in Dokumenten-Workflows im Gesundheitswesen, bei Finanzdienstleistern, Versicherungen und im öffentlichen Sektor verankert. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Fax noch relevant ist, sondern ob die dahinterliegende Infrastruktur den heutigen betrieblichen und regulatorischen Anforderungen noch gerecht wird.

Warum der Umstieg auf Cloud Fax jetzt wichtig wird

Meiner Erfahrung nach unterschätzen viele Unternehmen, wie stark sie nach wie vor von Fax abhängig sind. Es spielt weiterhin eine wichtige Rolle in Compliance-Workflows, beim Dokumentenaustausch und in zeitkritischer Kommunikation, insbesondere im Gesundheitswesen, bei Finanzdienstleistern, Versicherungen und im öffentlichen Sektor.

Gleichzeitig verliert die zugrunde liegende Infrastruktur zunehmend an Stabilität. Die Kosten steigen, die Servicequalität wird uneinheitlicher und der Support nimmt ab. Besonders kritisch ist, dass viele Unternehmen erst dann reagieren, wenn sie eine entsprechende Mitteilung ihres Anbieters erhalten, anstatt den Übergang frühzeitig zu planen.

Warum Übergangslösungen das eigentliche Problem nicht lösen

Wenn Kupferleitungen nach und nach verschwinden, versuchen viele Unternehmen zunächst, die Lücke mithilfe von VoIP-Adaptern zu überbrücken. Auf den ersten Blick erscheint das praktisch: Die vorhandenen Faxgeräte bleiben bestehen, lediglich die Leitung wird ausgetauscht und der Betrieb läuft weiter.

In der Praxis bringt dieser Ansatz jedoch neue Probleme mit sich. Die Faxtechnologie wurde für stabile analoge Signale entwickelt. VoIP dagegen paketiert und komprimiert Übertragungen, wodurch Schwankungen, Latenzen, Jitter und Paketverluste entstehen können. Diese Probleme zeigen sich nicht unbedingt sofort, können aber insbesondere unter Last oder bei Netzwerküberlastung deutlich werden.

Immer wieder treten dadurch sporadische Ausfälle, verzerrte Dokumente oder fehlerhafte Bestätigungen auf, die zunächst einen falschen Eindruck von Zuverlässigkeit vermitteln können. Das führt zu betrieblichen Ineffizienzen und kann in regulierten Branchen zusätzliche Compliance-Risiken verursachen. Adapter lösen das grundlegende Problem daher nicht, sondern verschieben es lediglich.

Was passiert, wenn die Fax-Modernisierung aufgeschoben wird?

Je stärker die bestehende Infrastruktur altert und zurückgebaut wird, desto höher werden Aufwand, Kosten und Risiken für ihren weiteren Betrieb.

Unternehmen, die ihre Fax-Infrastruktur nicht rechtzeitig modernisieren, müssen unter anderem mit folgenden Problemen rechnen:

  • höheren Betriebskosten
  • eingeschränkter Transparenz in Dokumenten-Workflows
  • steigenden Compliance- und regulatorischen Risiken
  • unerwarteten Betriebsunterbrechungen bei der Abschaltung bestehender Dienste

Abwarten reduziert das Risiko also nicht, sondern kann es sogar erhöhen.

Ich habe mit Unternehmen zusammengearbeitet, die das tatsächliche Ausmaß des Problems erst erkannt haben, nachdem eine unerwartete Dienstumstellung zu Übertragungsfehlern oder Problemen bei der Datenverarbeitung geführt hatte. Gerade in Umgebungen, in denen Dokumentation und Nachvollziehbarkeit eine wichtige Rolle spielen, können bereits kleinere Störungen weitreichende Folgen haben.

Modernes Fax bedeutet mehr als nur neue Technologie

Wenn ich mit Unternehmen über die Modernisierung ihrer Fax-Infrastruktur spreche, empfehle ich, nicht länger in Kategorien wie „Geräte erhalten“ zu denken, sondern den gesamten Workflow in den Mittelpunkt zu stellen.

Ein moderner, cloudbasierter Faxansatz beseitigt die Abhängigkeit von physischen Leitungen und passt die Dokumentenübermittlung an heutige IT- und Netzwerkstrukturen an. Fax wird damit zu einer Funktion, die sich in Anwendungen integrieren, über APIs automatisieren und intelligent zwischen unterschiedlichen Systemen weiterleiten lässt.

Dokumente kommen nicht mehr einfach nur an, sondern können verarbeitet, nachverfolgt und direkt in nachgelagerte Workflows integriert werden. Dadurch verbessert sich nicht nur die Effizienz, sondern vor allem auch die Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Wie KI automatisiertes Faxen verändert

Einen besonders wichtigen Wandel sehe ich derzeit an der Schnittstelle zwischen digitalem Fax und KI. Sobald Fax vollständig digital und cloudbasiert bereitgestellt wird, lässt sich auch der Inhalt der übertragenen Dokumente intelligent verarbeiten.

KI kann beispielsweise dabei helfen,

  • eingehende Dokumente automatisch zu klassifizieren,
  • wichtige Datenfelder zu extrahieren,
  • Dokumente an die richtigen Systeme oder Teams weiterzuleiten und
  • Inhalte für eine schnellere Bearbeitung zusammenzufassen.

Damit lässt sich der Faxprozess weitgehend automatisieren. Der manuelle Aufwand sinkt, die Genauigkeit kann verbessert und die Bearbeitung beschleunigt werden.

Im Gesundheitswesen oder bei Finanzdienstleistern kann dies beispielsweise eine schnellere Patientenversorgung, effizientere Bearbeitung von Leistungsansprüchen oder eine bessere Compliance ermöglichen, weil Daten zuverlässiger erfasst, zusammengefasst und nachvollziehbar verarbeitet werden.

Fax Umstellung: Wie das in der Praxis aussehen kann

Ein gutes Beispiel ist ein regionaler Gesundheitsdienstleister, mit dem ich zusammengearbeitet habe und der bei Patientenüberweisungen stark auf Fax angewiesen war. Vor der Modernisierung gingen die Überweisungen über physische Faxgeräte ein, die an analoge Leitungen angeschlossen waren.

Die Mitarbeiter mussten die Dokumente manuell sortieren, scannen und verteilen. Dabei kam es immer wieder zu Verzögerungen und gelegentlichen Übertragungsfehlern. Gleichzeitig war die Transparenz begrenzt, und selbst die Nachverfolgung, ob eine Überweisung erfolgreich eingegangen war, erforderte zusätzlichen manuellen Aufwand.

Nach der Umstellung wurden dieselben Überweisungen digital empfangen und direkt an das elektronische Patientenakten-System weitergeleitet. Das System indexierte die Dokumente automatisch, stellte sie unmittelbar zur Verfügung und ermöglichte den Teams eine durchgängige Nachverfolgung.

Aus einem fragmentierten, manuellen Prozess wurde so ein schnellerer, zuverlässigerer und deutlich einfacher zu verwaltender Workflow. Der Gesundheitsdienstleister konnte die Patientenaufnahme verbessern, den Verwaltungsaufwand reduzieren, die Einhaltung regulatorischer Anforderungen besser nachvollziehen und sich gleichzeitig von der veralteten Infrastruktur unabhängig machen.

Solche umständlichen, faxbasierten Überweisungsprozesse sind kein Einzelfall, sondern in Gesundheitseinrichtungen unterschiedlichster Größe nach wie vor weit verbreitet.

Welche Signale Unternehmen jetzt ernst nehmen sollten

Es gibt zwar kein einzelnes Datum, an dem Kupferleitungen landesweit verschwinden werden, doch die Entwicklung ist eindeutig. Mitteilungen der Netzbetreiber, steigende Kosten und eine sinkende Servicequalität zeigen, dass der Wandel bereits begonnen hat.

Wenn Sprachdienste in Ihrer Umgebung bereits auf IP umgestellt wurden, wird auch der Faxdienst früher oder später betroffen sein, sofern dies nicht bereits der Fall ist. Kupferbasierte POTS-Leitungen werden schrittweise abgeschafft und damit verschwindet genau die Infrastruktur, die das klassische Fax über Jahrzehnte getragen hat.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Fax strategisch zu modernisieren

Aus meiner Sicht stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob Fax modernisiert werden sollte, sondern wie Unternehmen diesen Übergang sinnvoll und vorausschauend gestalten.

Die Signale sind bereits da: Netzbetreiber kündigen Veränderungen an, die Kosten steigen und die Servicequalität der bestehenden Infrastruktur nimmt ab. Das Fax selbst verschwindet dabei nicht. Aber die Art und Weise, wie es bereitgestellt wird und welche Rolle es innerhalb moderner Geschäftsprozesse übernimmt, muss sich weiterentwickeln.

Wer jetzt strategisch handelt, gewinnt nicht nur an Zuverlässigkeit, sondern auch an Transparenz, Kontrolle und langfristiger Stabilität. Unternehmen sollten deshalb nicht warten, bis eine Mitteilung des Netzbetreibers sie zum Handeln zwingt, sondern die Modernisierung nutzen, um ihre Fax- und Dokumentenprozesse zukunftsfähig aufzustellen.

Alex Martinez

Alex is a Senior Product Marketing manager at OpenText with over 20 years experience working with customers and partners across multiple verticals with a strong focus on the Healthcare and Financial Services markets. He is keen on guiding customers through their digital transformation journey, taking a solution-oriented approach to solving their day-to-day problems.