Wie AI Agents das juristische Urteilsvermögen stärken

Von einzelnen Prompts zu intelligent vernetzten eDiscovery-Workflows

Viele KI-Tools für eDiscovery führen eine konkrete Anweisung aus: ein Dokument zusammenfassen, Inhalte klassifizieren oder eine Frage beantworten. AI Agents gehen einen Schritt weiter. Sie kann mehrere Aufgaben koordinieren und auf ein übergeordnetes Ziel ausrichten.

Das bedeutet nicht, dass der Mensch aus dem Prozess verschwindet. Im Gegenteil. Seine Rolle verändert sich: Statt jeden einzelnen Schritt zu koordinieren, kann er sich stärker auf strategische Entscheidungen und gezielte Qualitätskontrolle konzentrieren.

Dieser Blogbeitrag ist der erste Teil einer zweiteiligen Serie. Im ersten Teil geht es darum, warum agentische KI für eDiscovery relevant ist, wie sie sich von klassischer, promptbasierter KI unterscheidet und warum juristisches Urteilsvermögen weiterhin eine zentrale Rolle spielt. Im zweiten Teil schauen wir uns an, wie sich dieses Modell in konkreten eDiscovery-Workflows einsetzen lässt.

Was sind AI Agents?

Agentische KI ist weniger ein einzelnes KI-Modell als eine Architektur auf Systemebene. Muss beispielsweise ein Inhalt erstellt werden, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, kann generative KI diese Aufgabe übernehmen. Das agentische System koordiniert die einzelnen Schritte und verbindet sie miteinander.

Der entscheidende Unterschied liegt im Übergang von einzelnen Prompts zu zielgerichtetem Arbeiten. Ein KI-Agent reagiert nicht nur auf eine Eingabeaufforderung. Er kann ein übergeordnetes Ziel interpretieren, relevante Daten und Zusammenhänge erfassen, die nächsten Schritte planen, verfügbare Tools einsetzen und sein Vorgehen anpassen, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben.

Warum eDiscovery gut zu agentischen Workflows passt

Bei juristischen Fragestellungen geht es selten nur um eine einzelne, isolierte Aufgabe. Meist steht ein übergeordnetes Ziel im Mittelpunkt. Ein agentisches System kann die dafür notwendigen Schritte koordinieren, Daten und Tools einbeziehen, Ergebnisse auswerten und den Workflow anpassen.

Agentic AI kann:

  • auf ein definiertes rechtliches oder ermittlungsbezogenes Ziel hinarbeiten,
  • mehrere Maßnahmen koordinieren, statt auf einzelne Anweisungen zu warten,
  • Analysen an neue Fakten anpassen,
  • Fortschritte überwachen und Lücken identifizieren,
  • Maßnahmen und Entscheidungen nachvollziehbar dokumentieren und
  • Fragestellungen an den Menschen übergeben, wenn juristisches Urteilsvermögen gefragt ist.

Es geht also nicht einfach um mehr Automatisierung. Es geht darum, einzelne Arbeitsschritte sinnvoll miteinander zu verbinden. Die Technologie kann relevante Informationen und Zusammenhänge erfassen, Maßnahmen planen und verschiedene Tools einsetzen. Gleichzeitig reagiert sie auf Fehler, Ausnahmen oder veränderte Bedingungen.

Aus vielen einzelnen Prompts und manuellen Übergaben wird so ein durchgängiger Workflow, der sich am Ziel des jeweiligen Falls orientiert.

Der Jurist bleibt im Mittelpunkt

Agentische KI macht juristisches Urteilsvermögen nicht überflüssig. Ganz im Gegenteil.

Der Jurist legt das Ziel fest. Er bestimmt, welche Daten relevant sind, definiert oder verfeinert die Kriterien, überprüft die Ergebnisse und trifft am Ende die rechtliche Entscheidung.

Agentische KI übernimmt also nicht das Urteilen. Sie kann aber dafür sorgen, dass Juristen ihre Expertise dort einsetzen, wo sie wirklich gebraucht wird: bei strategischen Entscheidungen, Ausnahmen und gezielter Qualitätskontrolle.

Der Agent wendet die festgelegten Vorgaben auf die Daten an und führt den Workflow weiter. Er liefert Kontext, zeigt Ausnahmen auf, validiert Muster und dokumentiert die durchgeführten Schritte.

Auch bestehende Verfahren wie Analysen, Clustering, Threading, Klassifizierung oder generative KI bleiben Teil des Prozesses. Neu ist, dass ein Agent diese Funktionen miteinander verbinden und unterstützen kann zu entscheiden, wann und wie sie eingesetzt werden.

OpenText eDiscovery Aviator Agents: ein erster Blick

Stellen Sie sich einen KI-Assistenten vor, der große Datenmengen durchsucht, wichtige Informationen identifiziert und extrahiert und daraus einen umfassenden Bericht erstellt. Einen Bericht, der zeigt, was die vorhandenen Daten zu einem bestimmten Thema tatsächlich aussagen.

Genau hier setzt OpenText™ eDiscovery Aviator™ Agents an. Rechtsteams können in natürlicher Sprache mit ihren Daten arbeiten, eine Richtung vorgeben und KI-Assistenten einsetzen, die miteinander verknüpfte Aufgaben planen und ausführen.

Nutzer können relevante Daten auswählen, Folgefragen stellen, Kriterien anpassen und Ergebnisse weiter verfeinern, wenn neue Fakten auftauchen.

Anders als ein klassischer Chatbot, der auf eine Frage eine Antwort liefert, können Aviator Agents komplexe eDiscovery-Prozesse mit einem einzigen Befehl anstoßen. Dafür werden drei Funktionen miteinander kombiniert:

  • Dialog mit Dokumentensätzen: Fragen lassen sich Schritt für Schritt verfeinern, ohne immer wieder von vorne beginnen zu müssen.
  • Intelligente Suche und Discovery: Personen, Ereignisse, Themen und Beziehungen werden miteinander verknüpft.
  • Intelligente Automatisierung: Inhalte werden zusammengefasst, getaggt und klassifiziert und definierte Ergebnisse generiert.

Der Vorteil liegt nicht darin, dass KI den juristischen Workflow übernimmt. Sie übernimmt vielmehr einen Teil der Koordination. Die Kontrolle über Umfang, Bewertung und Validierung bleibt beim Juristen.

Richtig eingesetzt geben eDiscovery-KI-Agenten Rechtsteams damit mehr Zeit für die Aufgaben, bei denen ihre Expertise entscheidend ist: Kriterien festlegen, Risiken und Strategien bewerten, Ausnahmen prüfen, relevante Ergebnisse validieren und fundierte Entscheidungen treffen.

Und wie sehen AI Agents in der Praxis aus?

Wie nützlich agentische KI tatsächlich ist, zeigt sich am besten in konkreten juristischen Workflows. Denn genau dort wird deutlich, wie Legal-Tech-Lösungen die manuelle Prozesssteuerung reduzieren können, ohne das menschliche Urteilsvermögen zu ersetzen.

Agentic AI in eDiscovery live erleben

Wie AI Agents in der Praxis funktionieren, zeigen wir auch in unserem Webinar Aviator Agents – ein einziger Klick, eine ganze Kanzlei. Anhand von OpenText eDiscovery Aviator Agents sehen Sie, wie KI-Agenten komplexe eDiscovery-Aufgaben miteinander verknüpfen und Rechtsteams im Arbeitsalltag unterstützen können.

In einer Live-Demo zeigen wir, wie sich mit Aviator Agents relevante Informationen aus großen Datenmengen identifizieren, Zusammenhänge erkennen und einzelne Arbeitsschritte automatisieren lassen während die Kontrolle und die rechtliche Bewertung beim Menschen bleiben.

Andy Teichholz

Andy Teichholz ist Director Product Marketing und verantwortlich für die Legal-Industry-Strategie der LegalTech Business Unit bei OpenText. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung als Prozessanwalt, Unternehmensjurist, Berater, Technologieanbieter und Produktmarketing-Experte. Sein Schwerpunkt liegt darauf, Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation zu unterstützen. Dabei begleitet er Kunden als vertrauenswürdiger Berater und verbindet fundiertes Geschäftsverständnis, langjährige Branchenerfahrung und technisches Know-how. Zu seinen Beratungsschwerpunkten zählen Information Governance, eDiscovery sowie die Unterstützung komplexer Gerichtsverfahren und regulatorischer Untersuchungen.